Every angel is terrifying. And still, alas,
I sing to you, near-fatal birds of the soul,
knowing about you. Where are the days of Tobias,
when one of the most radiant stood at a mere house door,
disguised a bit for the journey and no longer dreadful;
(a boy like the boy who curiously peered out at him).
But if the archangel now, threatening, from beyond the stars
took even one step lower and closer, our own heart's
pounding would strike us dead. Who are you?
Early successes, pampered by genesis,
mountain ranges, dawn-reddened ridges
of all creation, - pollen of the blossoming divinity,
hinges of light, passages, stairs, thrones,
spaces of being, shields of bliss, turbulence
of stormy rapturous feelings and suddenly, alone,
mirror: which recreates their own outpouring
beauty and returns it to their own face.
But we, when we feel, evaporate; oh we
breathe ourselves out and away; from ember to ember
our fragrance grows fainter. Though someone may say sweetly:
yes, you're in my blood, this room, the springtime
is filled with you ... What good is it, he can't stop us,
we fade in him and around him. And those who are beautiful,
oh who can hold them back? Appearances well up incessantly
in their faces and slip away. Like dew from morning grass
what is ours rises away from us, like the heat from a
hot dish. Oh smile, where to? Oh glance:
fresh, warm, escaping swell of the heart -:
alas, that's what we are. Does space,
into which we dissolve, taste of us then? Do angels really
only pick up that which poured out of themselves,
or sometimes, as if by mistake, a bit of our
own essence as well? Are we only mixed into
their features as much as the vagueness in the faces
of pregnant women? They don't notice it in the maelstrom
of their return to themselves. (How could they notice it?)
Lovers could, if they understood it, speak wonderfully
in the night air. For it seems that everything
conceals us. Look, the trees are: the houses
that we live in still stand. Only we
pass everything by like an airy exchange.
And they all conspire to not mention us, half out of
shame perhaps and half out of inexpressible hope.
Lovers, who are enough for each other, I ask
you about us. You hold each other. Have you any proof?
Look, occasionally my hands may develop
empathy for each other or my shabby face
nestle itself into them. This gives me a brief sensation.
But who, just for that, would venture to be?
But you, who swell with the other's
rapture, until overwhelmed he
implores you: no more -; who under his hands
grow ever more abundant like grapevines over the years;
who sometimes perish while the other
runs completely wild: I ask you about us. I know
you touch each other so blissfully because the caress contains,
because that place never fades which you, lovingly,
blanket; because underneath it you detect
pure duration. And so you promise each other near-eternity
in your embrace. And yet, once you've survived
the terror of first glances and pining at the window,
and the first walk together, once, through the garden:
lovers, are you still that? When you lift each other
to your mouth and kiss -: drink to drink:
oh how the drinker strangely escapes from the act.
Weren't you astounded by the warning of human gestures
on Attic stelae? weren't love and departure
laid so lightly on their shoulders, that it seemed a different
material than we make? Remember those hands,
how delicately they rest, despite the power in the torsos.
With self-discipline they know: we only go this far,
this is ours, to touch just so; the gods
press harder on us. But that is the gods' business.
If only we too could find something pure, contained, narrowly
human, our own strip of fruitful land
between river and rock. For our own heart transcends us
always like theirs did. And we can no longer
look for it in pictures, which pacify it, or in
divine bodies, in which it is even more strictly controlled.
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Jeder Engel ist schrecklich. Und dennoch, weh mir,
ansing ich euch, fast tödliche Vögel der Seele,
wissend um euch. Wohin sind die Tage Tobiae,
da der Strahlendsten einer stand an der einfachen Haustür,
zur Reise ein wenig verkleidet und schon nicht mehr furchtbar;
(Jüngling dem Jüngling, wie er neugierig hinaussah).
Träte der Erzengel jetzt, der gefährliche, hinter den Sternen
eines Schrittes nur nieder und herwärts: hochauf-
schlagend erschlüg uns das eigene Herz. Wer seid ihr?
Frühe geglückte, ihr Verwöhnten der Schöpfung,
Höhenzüge, morgenrötliche Grate
aller Erschaffung, - Pollen der blühenden Gottheit,
Gelenke des Lichtes, Gänge, Treppen, Throne,
Räume aus Wesen, Schilde aus Wonne, Tumulte
stürmisch entzückten Gefühls und plötzlich, einzeln,
Spiegel: die die entströmte eigene Schönheit
wiederschöpfen zurück in das eigene Antlitz.
Denn wir, wo wir fühlen,verflüchtigen; ach wir
atmen uns aus und dahin; von Holzglut zu Holzglut
geben wir schwächern Geruch. Da sagt uns wohl einer:
ja, du gehst mir ins Blut, dieses Zimmer, der Frühling
fühlt sich mit dir ... Was hilfts, er kann uns nicht halten,
wir schwinden in ihm und um ihm. Und jene, die schön sind,
o wer hält sie zurück? Unaufhörlich steht Anschein
auf in ihrem Gesicht und geht fort. Wie Tau von dem Frühgras
hebt sich das Unsre von uns, wie die Hitze von einem
heißen Gericht. O Lächeln, wohin? O Aufschaun:
neue, warme, entgehende Welle des Herzens -;
weh mir, wir sinds doch. Schmeckt denn der Weltraum,
in den wir uns lösen, nach uns? Fangen die Engel
wirklich nur Ihriges auf, ihnen Entströmtes,
oder ist manchmal, wie aus Versehen, ein wenig
unseres Wesens dabei? Sind wir in ihre
Züge soviel nur gemischt wie das Vage in der Gesichter
schwangerer Frauen? Sie merken es nicht in dem Wirbel
ihrer Rückkehr zu sich. (Wie sollten sie's merken.)
Liebende könnten, verstünden sie's, in der Nachtluft
wunderlich reden. Denn es scheint, daß uns alles
verheimlicht. Siehe, die Bäume sind; die Häuser,
die wir bewohnen, bestehn noch. Wir nur
ziehan allem vorbei wie ein luftiger Austausch.
Und alles ist einig, uns zu verscweigen, halb als
Schande vielleicht und halb als unsägliche Hoffnung.
Liebende, euch, ihr in einander Genügten,
frag ich nach uns. Ihr greift euch. Habt ihr Beweise?
Seht, mir geschiehts, daß meine Hände einander
inne werden oder daß mein gebrauchtes
Gesicht in ihnen sich schont. Das giebt mir ein wenig
Empfindung. Doch wer wagte darum schon zu sein?
Ihr aber, die ihr im Entzücken des anderen
zunehmt, bis er euch überwältigt
anfleht: nicht mehr -; die ihr unter den Händen
euch reichlicher werdet wie Traubenjahre;
die ihr manchmal vergeht, nur weil der andre
ganz überhand nimmt: euch frag ich nach uns. Ich weiss,
ihr berührt euch so selig, weil die Liebkosung verhält,
weil die Stelle nicht schwindet, die ihr, Zärtliche,
zudeckt; weil ihr darunter das reine
Dauern verspürt. So versprecht ihr euch Ewigkeit fast
von der Umarmung. Und doch, wenn ihr den ersten
Blicke Schrecken besteht und die Sehnsucht am Fenster,
und den ersten gemeinsamen Gang, ein Mal durch den Garten:
Liebende, seid ihrs dann noch? Wenn ihr einer dem andern
euch an den Mund hebt und ansetzt -: Getränk an Getränk:
o wie entgeht dann der Trinkende seltsam der Handlung.
Erstaunte euch nicht auf attischen Stelen die Vorsicht
menschlicher Geste? war nicht Liebe und Abschied
so leicht auf die Schultern gelegt, als wär es aus anderm
Stoffe gemacht als bei uns? Gedenkt euch der Hände,
wie sie drucklos beruhen, obwohl in den Torsen die Kraft steht.
Diese Beherrschten wußten damit: so weit sind wirs,
dieses ist unser, uns so zu berühren: stärker
stemmen die Götter uns an. Doch dies ist Sache der Götter.
Fänden auch wir ein reines, verhaltenes, schmales
Menschliches, einen unseren Streifen Fruchtlands
zwischen Strom und Gestein. Denn das eigene Herz übersteigt uns
noch immer wie jene. Und wir könnten ihm nicht mehr
nachschaun in Bilder, die es besänftigen, noch in
göttliche Körper, in denen es größer sich mäßigt.
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